Lehrpfad D-CZ

Eröffnung Lehrpfad Haselbach

Die Ortschaft Haselbach wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet. Bis Mitte des 18. Jahrhun­derts gehörte Haselbach zu Bayern, dann kam es zu Böhmen. Im Jahre 1930 standen im Dorf 56 Häuser mit 449 Einwohnern. Im Dorf gab es eine tschechische und eine deutsche Schule, ein Post­amt mit Postsparkasse, das Zollamt, das Wirtshaus Buchauer, das Restaurant „Zur Stadt Bischoftei­nitz“, das Cafe Pscherer, zwei Metzgereien, drei Lebensmittelgeschäfte, eine Tabaktrafik, ein Schuhgeschäft und eine Bäckerei. An Industrie existierten eine Mühle und eine Ziegelei sowie meh­rerer Betriebe, die sich auf die Herstellung von Spiegelglas spezialisierten. Nach dem Krieg muss­ten alle Bewohner Haselbach verlassen und es wurde dem Erdboden gleich gemacht. Das Areal des ehemaligen Dorfes war dann für mehrere Jahrzehnte der Allgemeinheit nicht mehr zugänglich. Seit der Grenzöffnung hat jetzt jeder wieder die Möglichkeit, den Ort Haselbach zu betreten und dessen Geschichte zu gedenken.

Die junge Tschechin Kamila Angelovova hat sich schon seit meh­reren Jahren mit den Grenzregion und deren Bewohnern befasst. Besonders der Bereich Haselbach und Wassersuppe hat dabei ihre besondere Aufmerksamkeit erregt. Ihrer Meinung nach war Hasel­bach das attraktivste der nach dem 2. Weltkrieg verschwundenen Dörfer des Böhmerwaldes. So kam sie auch auf die Idee einen Lehrpfad einzurichten, damit sich jeder Bürger selbst ein Bild von der bewegten Vergangenheit der Ortschaft Haselbach machen kann. Wertvolle Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Projekts erhielt Kamila Angelovova dabei von der gebürtigen Haselbacherin Annemarie Babl, vom Waldmünchner regional Historiker Markus Gruber und von Bürgermeister Markus Ackermann. Heraus kam ein etwa 2,5 km langer Lehrpfad, der auch für Familien mit Kin­dern und ältere Leute leicht zu bewältigen ist.

An fünf bebilderten Informationstafeln erfahren die Wanderer dabei alles über die Menschen und deren Leben im Dorf sowie über die Entstehungsge­schichte der einzelnen Häuser und Gehöfte. Am vergangenen Wochenende wurde der deutsch-tschechischen Lehrpfade Haselbach nun seiner Bestimmung übergeben. Die Initiatorin konnte dazu neben den ca. 60 erschienenen Interessenten auch ihre Mithelfer und Bürgermeister Markus Acker­mann begrüßen. Sie war sich sicher, dass dieser deutsch-tschechische Lehrpfad, der über das „verlo­rene“ Dorf Haselbach informiert nicht nur ein beliebter Anlaufpunkt für die Grenzbewohner wird sondern auch für die Touristen. Ihr besonderer Wunsch sei es, betonte Kamila Angelovova am Ende ihrer Begrüßung, dass dieser Ort ein Ort der Einkehr und des Gedenkens für die Menschen, aller Nationalitäten und auch ein Mahnmal für die politischen Mächte wird, damit sich so etwas nicht wiederholt. Bürgermeister Ackermann freute sich, dass mit diesem Lehrpfad nun neben Grafenried ein weiteres verschwundenes Dorf der Öffentlichkeit näher gebracht wird. Auch er gab der Hoff­nung Ausdruck, dass die Menschen aus der schlimmen Vergangenheit ihre Lehren gezogen haben und diese Gedenkstätte dazu beiträgt, dass man einer friedvollen Zukunft entgegenblicken könne. Nachdem das Stadtoberhaupt von Waldmünchen das Absperrband durchschnitten hatte, stießen die Verantwortlichen auf das gelungene Werk an.

 

Anschließend machte sich der ganze Tross auf den Weg, wobei sie von der der Initiatorin Kamila Angelovova an den betreffenden Stellen noch extra persönlich informiert wurden. An der Stelle der ehemaligen Kapelle wurden dabei am Gedenkstein noch Kerzen entzündet. Als Dolmetscher fungierte Radek Macura.